Arthur Miller
Tod eines Handlungsreisenden
Stadttheater Bremerhaven 2018 • Bühne/Kostüme: Stephan Mannteuffel
Arthur Millers "Tod eines Handlungsreisenden überzeugt im Großen Haus in Bremerhaven.
Willy
Loman, dieser Normalo, der von seinen falschen Träumen nicht lassen
kann, steht verloren in einer rissigen Halle.
Ausstatter Stephan
Mannteuffel lässt dem traurigen Helden […] keinen Ausweg aus der
schönen neuen Warenwelt. […]
Sein
Simultanspielraum öffnet alle Möglichkeiten, die Geschichte bis ins
Jetzt fortzuschreiben. Agieren wir nicht alle wie
dieser Willy,
wollen immer mehr, mehr und mehr, ohne uns um die Konsequenzen zukümmern?
Alexander
Schilling drängt uns diese Lesart nicht auf, lässt den Holzhammer
im Regal liegen. Er gehört nicht zu den
Regisseuren, die den
amerikanischen Kleinbürger als Hartz-IV-Opfer instrumentalisieren.[…]
Kay Krause spielt diesen cholerischen Querulanten, Besserwisser, diese Nervensäge mal himmelhochjauchzend, mal zu Tode betrübt. Ihm gelingt dabei das Kunststück, nie zu übertreiben.
[…]
Kay Krause spielt den Willy Loman so, dass die Zuschauer mitleiden mit diesem Mann des Mittelmaßes. […]
Wie Isabel Zeumer mit erloschenem Gesicht am Bühnenrand sitzt, weiterliebt und geduldig Strümpfe stopft, während Willy
seiner Geliebten (Juliane Schwabe) neue schenkt, das geht zu Herzen. Keine Hoffnung, eigentlich. Doch irgendwie tröstet es
ungemein, wie Kay Krause und Isabel Zeumer diese Hoffnungslosigkeit eindrücklich auf den Punkt bringen.»
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Es gab langen, langen Applaus, stehende Ovationen … Es lohnt sich wirklich, ein gewinnbringender Abend.
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[…]
Die Miller-Inszenierung […] beeindruckt aber dank des guten Ensembles. Alle Figuren sind hypernervös angelegt, schwankend zwischen verdrängtem Selbst- und offensivem Fremdbetrug. Herausragend wie Kay Krause den Loman gibt: erschöpft und mürrisch, unsicher und herrisch. Verschämt liebevoll. Und immer wieder herausfordernd rechthaberisch. Schließlich jähzornig. Ein Wutbürger. Er ist genau an dem Punkt, wo Populisten ihre Gemeinden rekrutieren. Das große Mitfühltheater bestätigt das.
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